BLOG 2

Weblog der Grünen Leopoldstadt

Ja zum Tempo 30 in der Praterstraße

4 Kommentare

Es gibt viele gute Gründe, das Tempo des Autoverkehrs in der Praterstraße einzubremsen. Wegen der höheren Verkehrssicherheit, wegen des geringeren Lärms und weil es sich viele AnrainerInnen wünschen.

Immer wieder erstaunlich, wie sehr ein Tempolimit in der Stadt manche Menschen und Organisationen beschäftigt. Manche bezeichnen diese Maßnahme als Zeichen von Autofahrerfeindlichkeit. Doch darum geht es bei Tempo 30 nicht. Diese Maßnahme ist weder autofahrerfreundlich noch autofahrerfeindlich. Diese Maßnahme kann Leben retten – und deswegen ist sie so wichtig.

Den Vogel dabei hat sicherlich der Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs (ARBÖ) abgeschossen. Die Einrichtung einer Tempo 30-Zone in der Praterstraße ist für ihn ein Zeichen von „Realitätsverweigerung“ (s. Faksimile).

Realitätsverweigerung des ARBÖs

Welche Realität meint der ARBÖ damit?

  • Die Realität, dass Tausende Menschen jährlich in Wien im Straßenverkehr verletzt oder getötet werden (darunter 6 tote FußgängerInnen 2018)? Und dass die häufigsten Unfallursachen Ablenkung und nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit sind?
  • Die Realität, dass Messungen der Bezirksvorstehung in der Praterstraße eine Höchstgeschwindigkeit von 127 km/h gemessen haben und dass sich 20% aller Kfz nicht an das Tempolimit gehalten haben?
  • Oder die Realität, dass die Verkehrssicherheit bei geringerem Kfz-Tempo wesentlich höher ist? Weil sowohl der Anhalteweg kürzer ist als auch die Unfallfolgen leichter werden.

Die Physik spricht ganz klar für ein geringeres Tempo in der Stadt

Die Bezirksvorstehung hat bereits 2017 eine groß angelegte Bürgerbeteiligung durchgeführt.

Hunderte AnrainerInnen haben dabei mitgeredet und ihre Wünsche und Vorschläge deponiert. Eine der am häufigsten gewünschte Maßnahmen war die Temporeduktion in der Praterstraße. Und nachdem es keinen vernünftigen Grund gibt, mit dieser verkehrsorganisatorischen Maßnahme auf den Umbau der Straße zu warten, hat sich Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger entschlossen, sie vorzuziehen.

Abgesehen vom ganz wichtigen Aspekt der höheren Verkehrssicherheit setzen sich auch viele Geschäftsleute der Praterstraße für das Tempo 30 ein. Weniger Lärm durch ein geringeres Tempo bedeutet gerade für die vielen Schanigärten der Praterstraße eine wesentlich höhere Attraktivität. Denn wer möchte schon gerne neben einer Stadtautobahn speisen und sich mit FreundInnen unterhalten? Sie vielleicht? Auch erwarten sich die Geschäftsleute von einer Temporeduktion mehr KundInnen. Denn eine sichere und ruhigere Umgebung lädt sicherlich mehr zum Flanieren ein als die Straße im jetzigen Zustand.

Unser Ziel ist es jedenfalls, die Praterstraße wieder zu dem Prachtboulevard zu machen, der sie früher einmal war. Sie ist ja nur eine Bezirksstraße – die Bundesstraße als höherrangige Verbindung verläuft über die Franzensbrückenstraße und die Untere Donaustraße. Daher wollen wir auch den Durchzugsverkehr aus der Praterstraße rausbekommen – und die diversen Plätze an der Praterstraße wie z.B. den Nestroyplatz attraktiver gestalten und damit die Aufenthaltsqualität steigern.

Wie man sieht, ist eine Temporeduktion in der Praterstraße sehr sinnvoll und wird von vielen gewünscht. Deshalb arbeiten wir auch daran – trotz des Gegenwinds von mancher Seite.

4 Kommentare zu “Ja zum Tempo 30 in der Praterstraße

  1. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Tempo 30 in der Stadt, jedoch gegen die geplante Insellösung für die Praterstraße. Bei einer Temporeduktion in der Praterstraße ist mit einer Verkehrsverdrängung zu Lasten anderer Verkehrsadern, allen voran der Taborstraße, im Bezirk zu rechnen – es benötigt also ein umfassenderes Konzept zur Lärmentlastung, insbesondere unter Einbeziehung der Taborstraße. Siehe dazu beispielsweise auch Tempo 30 im gesamten 7. Bezirk.

    • Hallo Michael!

      Das mit der Insellösung verstehe ich nicht ganz. Man könnte auch sagen, dass es derzeit zwei T30-Inseln rund um die Praterstraße gibt. Nämlich das Rotenstern- und das Czerninviertel. Und diese beiden Inseln werden nun durch die Praterstraße zu einem großen T30-Gebiet verbunden.

      Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass T30 in der Praterstraße dazu führen wird, dass jemand einen Umweg über die Taborstraße fährt. Dadurch würde er ja noch länger brauchen.

      Natürlich muss unser Ziel sein, auch das Tempo in der Taborstraße zu reduzieren. Hier fährt allerdings auf der gesamten Strecke die Straßenbahnlinie 2. Und wenn man diese auf T30 reduziert, dann verliert sie wirklich viel Zeit. Da ist das Argument der Wiener Linien also viel zutreffender als in der Praterstraße, wo es nur um eine Nachtbuslinie geht. Das ist hier wirklich ein Dilemma.
      Aber abgesehen davon kann ich dir versichern, dass wir nach dem Umbau der Praterstraße auch die Verkehrsberuhigung der Taborstraße angehen werden. Aber alles auf einmal funktioniert leider nicht, da fehlen uns im Bezirk einfach die nötigen Ressourcen.

      lgw

  2. Hallo Wolfgang,

    du bist der Experte, aber ich meine, Linie 2 verliert bei T30 kaum bis keine Zeit.
    Begründung:
    Streckenlänge auf Taborstrasse von Gredlerstrasse bis Tabor: 1.400m Länge
    Stationen: 3 in beide Richtungen
    Ampeln: 4 in beide Richtungen

    Wie lange sind die Streckenteile, die die Linie 2 auf der Taborstrasse überhaupt mehr als 30km/h fahren kann?
    Evtl. ist im unteren Teil auf max. 200m Beschleunigung auf 35-40km/h möglich, wenn überhaupt.
    Straßenbahnen benötigen zur Beschleunigung und Abbremsen viel Zeit bei Weichenüberquerungen, generell bei Nässe und weil Fahrgastbeförderung und das Beschleunigungsvolumen ist eingeschränkt,…

    Autoverkehr: 1 Minute Zeitverlust uf 1,4km steht in keinem Verhältnis zu Unfallstatistiken bzgl. deren Häufigkeit und Schwere, die in unzähligen Studien nachgewiesen wird.

    Michael Schuller

    • Hallo Michael!

      Die Frage nach dem konkreten Zeitverlust kann ich dir im Detail natürlich nicht beantworten.

      Die Wiener Linien argumentieren aber immer auch damit, dass sie nicht nur Nachteile durch den Zeitverlust auf freier Strecke haben, sondern es dadurch auch oft dazu kommen kann, dass sie einen Ampelumlauf nicht mehr bei Grün schaffen und dadurch lange bei Rot stehen bleiben müssen. Und dann können sie den Fahrplan nicht mehr einhalten. Das bedeutet dann längere Fahrzeiten für die Fahrgäste oder mehr Straßenbahngarnituren, die erst einmal gekauft werden müssen.

      Wie viel der Zeitverlust im konkreten Fall sein würde, können nur die Wiener Linien beantworten. Und ich bin dafür, dass wir diese Berechnungen auch von Ihnen einfordern werden.

      Der theoretische Zeitverlust für den Autoverkehr ist in meinen Augen wesentlich weniger relevant.

      lgw

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s