Zu den Kommentaren

Pilotprojekt für Pfandringe im Zweiten

Wir Grünen Leopoldstadt haben in der Bezirksvertretungssitzung im September 2025 einen Antrag zur Anbringung von Pfandringen an öffentlichen Abfallbehältern eingebracht, der einstimmig angenommen wurde. Die MA 48 verweist in ihrer abschlägigen Stellungnahme auf „Hygiene“ und „mangelnde soziale Treffsicherheit“.

Sammelcontainer mit Text: "Pilotprojekt für Pfandringe im Zweiten"

Mit der Einführung eines bundesweiten Pfandsystems für Einweg-Getränkeverpackungen am
1. Jänner 2025 hat Österreich einen wichtigen Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft und Reduktion von Verpackungsmüll im öffentlichen Raum gesetzt. Erste Auswertungen zeigen, dass das System von der Bevölkerung gut angenommen wird. Die Rückgabequote wird auf etwa 80 % geschätzt. Kleinere Flaschen und Dosen landen aber, auch weil sie unterwegs konsumiert werden, weiterhin häufig auf der Straße oder im Restmüll. Hier setzt die Idee der Pfandringe an: Sie sollen das Sammeln und Zurückgeben von Pfandgebinden erleichtern, insbesondere für finanzschwache Menschen.
Das Ziel: mehr Recycling, weniger Müll, würdevolles Sammeln für alle.

Unser Antrag
In der Bezirksvertretungssitzung am 30. September 2025 wurde unser Antrag einstimmig angenommen. In dem Antrag werden die zuständigen Dienststellen der Stadt Wien ersucht, die Einführung eines Pilotprojekts für Pfandringe an ausgewählten öffentlichen Abfallbehältern zu prüfen. Die Auswahl der Standorte soll in Abstimmung mit der Bezirksvertretung erfolgen. Begleitend sind bewusstseinsbildende Öffentlichkeitsarbeit sowie eine verständliche Kennzeichnung und Nutzungsanleitung der Pfandringe vorgesehen. Nach einer angemessenen Pilotphase ist eine Evaluierung hinsichtlich Akzeptanz, Nutzung und Wirkung auf Recyclingverhalten und Sauberkeit im öffentlichen Raum geplant.

Pfandringe – ökologisch und sozial
Pfandringe bieten eine Win-win-Maßnahme im Sinne des Klima- und Ressourcenschutzes, verbesserter Bedingungen für Pfandsammler:innen und einer sauberen, lebenswerten Stadt. Denn es ist leider Realität, dass es offensichtlich in Wien nicht so wenige Menschen gibt, für die das Sammeln der Pfandgebinde eine wichtige Einnahme bedeutet. Ohne Pfandringe bleibt ihnen häufig nur das Wühlen in Mistkübeln – eine Tätigkeit, die nicht nur entwürdigend ist, sondern auch mit Verletzungsrisiken und hygienischen Gefahren verbunden sein kann.

Mistkübel mit Pfandring in Graz
© Holding Graz

Städte wie Linz, Graz und Innsbruck haben bereits positive Erfahrungen hinsichtlich Stadtsauberkeit, Abfallvermeidung und sozialem Zusammenhalt gemacht. In Wien sind letzten Sommer im MuseumsQuartier (MQ) Pfandregale eingeführt worden, um eine einfache und saubere Entsorgung von Pfandflaschen zu ermöglichen.

Auch die Grünen Wieden haben eigene Pfandregale aufgestellt, damit Menschen, die den Pfand dringend brauchen, leere Flaschen und Dosen einfach mitnehmen können.

Stellungnahme der MA 48 und internationale Erfahrungen
Die MA 48, zuständig für Abfallwirtschaft in Wien, hat sich intensiv mit internationalen Erfahrungen zu Pfandringen beschäftigt, insbesondere mit denen deutscher und Schweizer Großstädte. Das Ergebnis mehrjähriger Tests, teilweise begleitet von externen Instituten, fällt kritisch aus:

  • Pfandringe ziehen nicht nur Pfandflaschen, sondern auch anderen Müll an, und könnten Müll-Hotspots im öffentlichen Raum schaffen.
  • Es ist zu erwarten, dass nicht nur leere Gebinde, sondern auch halbvolle Becher abgestellt werden, was Insekten und Tiere anlockt.
  • Pfandringe können optische und hygienische Probleme mit sich bringen.
  • Papierkörbe müssen zudem Anforderungen wie einfache Handhabung, gute Sichtbarkeit und Sicherheit vor Vandalismus erfüllen.


Ein Pilotprojekt für Pfandringe ist in Wien derzeit leider noch nicht vorgesehen. Die MA 48 versichert aber, weiterhin internationale Entwicklungen im Papierkorbdesign zu beobachten.


Wir Grüne in der Leopoldstadt sind davon überzeugt, dass mehr Argumente für als gegen die Anbringung von Pfandringen sprechen sowohl ökologische als auch soziale. Wir werden uns daher weiterhin für eine Einführung einsetzen!

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll to Top